Arbeitsbiographie
aus dem Rat des Stadtbezirks
Abruptes Ende einer Karriere – Christel Wodrig, Jahrgang 1945
Christel Wodrig war von 1968 bis 1981 in der Abteilung „Wohnungspolitik / Wohnungswirtschaft“ im Rat des Stadtbezirks Prenzlauer Berg beschäftigt. Sie begann ihre Tätigkeit als Referentin im Bereich Wohnungswirtschaft und leitete ab 1973 das Referat Wohnraumlenkung.
Zwischen 1971 und 1975 absolvierte sie ein Fernstudium und wurde 1979 stellvertretende Leiterin des Sonderstabes „Arnimplatz“. Weil sie die Verlogenheit in den Parteiversammlungen ihrer Abteilung nicht länger ertragen wollte, trat sie 1981 aus der SED aus.
Obwohl sie aus Angst um ihre Kinder und allein erziehende Mutter ihre wahren Beweggründe bewusst verschwieg, war eine Weiterbeschäftigung im Rat des Stadtbezirks aus politischen Gründen „untragbar“ geworden. Da ihr jedoch keine dienstlichen Vergehen nachgewiesen werden konnten und sie gerade als „Aktivist der sozialistischen Arbeit“ ausgezeichnet wurde, kam eine betriebliche Kündigung nicht in Frage. Christel Wodrig wurde mit repressiven Mitteln in einen Aufhebungsvertrag „im beiderseitigen Einvernehmen“ gezwungen.
Christel Wodrig bewarb sich nach ihrem „Weggang“ 1981 um eine Stelle bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV). Allerdings war die KWV dem Rat des Stadtbezirks unterstellt und der Stadtbezirksrat für „Wohnungspolitik / Wohnungswirtschaft“ verhinderte ihre Einstellung. Der letzte Satz seiner Abschlussbeurteilung, „hat am 16.10.1981 den Austritt aus der SED aus persönlichen Gründen erklärt.“, sorgte dafür, dass auch ihre weiteren Bewerbungen erfolglos blieben. Letztendlich fand sie in der Altenpflege bei der Volkssolidarität eine Anstellung, musste aber mit monatlich 850 Mark weniger Gehalt auskommen. Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Kinder dreizehn und zehn Jahre alt.

Christel Wodrig, rechts im Bild,
Foto aus der „BZ am Abend“, Christel Wodrig, links im Bild, mit
Mitgliedern einer Ungarischen Regierungsdelegation bei der Besichtigung
des Sanierungsgebietes am Arnimplatz.