Das Ministerium für Staatssicherheit
„Zersetzen statt verhaften!“ –

Die Abteilung XX der „Bezirksverwaltung Berlin“

Zeitgleich mit der Umwandlung der „Verwaltung Groß-Berlin“ in eine Bezirksverwaltung, vervielfältigten sich die Aufgaben, denn in Prenzlauer Berg hatte sich eine Subkultur etabliert. Die bestand aus Schriftstellern, Theaterund Filmleuten, Musikern, Fotografen und Akademikern, die aus allen Teilen der DDR zugezogen waren und sich wie mancher Lebenskünstler der staatlichen Umklammerung entzogen.

Ungewohnte Freiräume entstanden und ein Mythos wurde geboren. Westliche Journalisten und Diplomaten, befreit von der gründlichen Zollkontrolle, transportierten „Verbotenes“ über die Grenzen hinweg zwischen Ost und West. In den Osten gelangten Bücher und Zeitungen, die auf dem Index standen, und Kopiergeräte. Die Abteilung XX der Berliner Bezirksverwaltung des MfS überwachte diese Kreise.

Haftstrafen wollte die DDR-Führung ab Mitte der 1970er Jahre aus politischen Gründen vermeiden und sie konnte zudem die Szene nicht mehr einschüchtern. Um wenigstens die Protagonisten zu bremsen, griff das MfS zu subtileren Mitteln und umschrieb diese mit „Zersetzung“. 1976 erhielten die MfS-Mitarbeiter Hinweise, wie eine "Zersetzung" zu erfolgen hatte:

„Bewährte […] Formen der Zersetzung sind:
systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes,
des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander
verbundener wahrer, überprüfbarer und diskreditierender
sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer
und damit ebenfalls diskreditierender Angaben;
systematische Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher
Mißerfolge zur Untergrabung des Selbstvertrauens
einzelner Personen.“
Quelle: BStU

 

 

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Ein Projekt der Berlin-Brandenburgischen Geschichtswerkstatt e.V.
(BBGW) in Kooperation mit dem Museumsverbund Pankow.

Gefördert mit Mitteln der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.


Der Begleitband zur Ausstellung ist erschienen im Lukas Verlag; ISBN-10: 3-936872-98-8; 16,90 €.

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