Das Ministerium für Staatssicherheit

Die Abteilung 26

Im Keller von Haus 3 befand sich eine Abhöranlage, die zur Abteilung 26 gehörte. Auch nach dem Auszug der „Bezirksverwaltung Berlin“ 1985 wurde diese Anlage – mit dem MfS-internen Namen „Prenzlau“ – weiter betrieben. Im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) trugen die Telefonüberwachungen die Tarnbezeichnung „Auftrag A“, bzw. „Maßnahme A“.

Für die technische Durchführung innerhalb der gesamten DDR war die MfS-Abteilung 26 zuständig. Sie wurde tätig, wenn der ausdrückliche Auftrag einer operativen MfS-Dienststelle vorlag, der außerdem von dem Leiter der jeweils zuständigen Bezirksverwaltung bestätigt sein musste. Die Abteilung 26 unterstand direkt der MfS-Zentrale in der Normannenstraße und hatte ihren Sitz in Berlin-Treptow, Großberliner Damm. Sie verfügte über 436 Mitarbeiter. In 25 Aufnahmeräumen – heute Abhörstudios genannt – wurden die Telefonate gespeichert und ausgewertet. Dafür standen zuletzt 20.000 automatische Aufzeichnungseinrichtungen bereit.

Schaltzeichnung der Deutschen Post über das in Ost-Berlin und Umgebung verfügbare Telefonnetz mit zusätzlichen Ergänzungen der Abteilung 26, 1968. Schaltzeichnung der Deutschen Post über das in Ost-Berlin und Umgebung verfügbare
Telefonnetz mit zusätzlichen Ergänzungen der Abteilung 26, 1968.
Quelle: BStU

Noch kurz vor der zufälligen Entdeckung hatten hohe MfS-Generäle öffentlich und energisch das Abhören von Telefonen und den Einsatz von Wanzen bestritten. Ein Telefon zu haben, war in der DDR durchaus ein Privileg. Selbst in Berlin, mit seinen vielen wichtigen Behörden und Parteistellen, verfügte 1989 nur jede vierte Wohnung über einen Anschluss. Dennoch wurde insbesondere Mitgliedern oppositioneller Gruppen, häufig schon wenige Wochen nach Beantragung, ein Anschluss zugeteilt. Der Grund dafür lag keineswegs in der schnellen Bearbeitung der Post, sondern der Anschluss sollte die Arbeit der Staatssicherheit erleichtern.

Selbstverständlich blieb die namenlose Zuhörerschaft nicht völlig verborgen: Der mit einem staatlichen Auftrittsverbot belegte Liedermacher Stephan Krawczyk erzählte übermütig seiner Frau am Telefon, dass er am Wochenende ein Konzert geben würde. Damit narrte er seine heimlichen Zuhörer. Ein paar Tage später rief ihn der Pfarrer der benannten Kirche an und fragte, was es denn mit dem Konzert auf sich habe. Er wisse davon nichts, aber man hatte sich bereits bei ihm nach der Anfangszeit erkundigt.

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Karteikarte zum Schaltpunkt „Prenzlau“.Karteikarte zum Schaltpunkt „Prenzlau“.
Quelle: BStU

 

 

 

 

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