Die Haftstätte
des Ministeriums für Staatssicherheit in Haus 3
1950 – 1956

Nach Räumung der sowjetischen Kommandantur 1950 zog das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in deren Gebäude. Das Gefängnis in Haus 3 wurde ab Januar 1951 genutzt und diente der „Verwaltung Groß-Berlin“ des MfS als Verhörzentrum und Untersuchungsgefängnis. Im September 1950 hatte der Staatssekretär für Staatssicherheit Erich Mielke (1907–2000) „Richtlinien über die Erfassung von Personen, die eine feindliche Tätigkeit durchführen“ erlassen. Als „feindlich“ galt eine Tätigkeit, wenn sie „auf die Untergrabung der Grundlagen der [DDR] gerichtet“ war.

„Ferner“ sollten „aktive Anhänger des ehemaligen Hitlerstaates“ vom MfS erfasst werden. Als Feinde galten: „Agenten ausländischer Spionageorganisationen, Terroristen, Diversanten, Schädlinge, Saboteure, Teilnehmer an der Schumacher'schen illegalen Arbeit, Trotzkisten“ und „Angehörige religiöser Sekten und andere Personen.“ Mit den „Teilnehmern an der Schumacher'schen illegalen Arbeit“ waren Sozialdemokraten in der DDR gemeint. Als „Angehörige religiöser Sekten“ bezeichnete man die Zeugen Jehovas. Sie alle waren die zukünftigen Häftlinge in Haus 3.

Aus der Akte Fahlpahl, 4. September 1951. Aus der Akte Fahlpahl, 4. September 1951. Aus der Akte Fahlpahl, 4. September 1951.
Quelle : BStU

Die Staatssicherheit beschwert sich beim Generalstaatsanwalt der DDR darüber, dass „ihre“ Häftlinge in die VP-Haftanstalt in Greifswald überführt und nicht zum Rechtsmittelverzicht genötigt wurden. Der Ostberliner Ulrich Fahlpahl, Jahrgang 1930, gehörte im Januar 1950 zu den ersten Inhaftierten in Haus 3. Ihm wurde zu Unrecht vorgeworfen, Mitglied der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) zu sein.

Die KgU hatte sich in West-Berlin mit der Absicht gegründet, die Öffentlichkeit über die Speziallager in der Sowjetischen Besatzungszone zu informieren und die Schicksale der Internierten aufzuklären. Damit sie alle nach West-Berlin kommenden Flüchtlinge in den Lagern befragen durfte, kooperierte die KgU mit dem amerikanischen Geheimdienst. Der Geheimdienst war an militärischen und politischen Informationen interessiert.

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Brief eines Oberstaatsanwalts in Greifswald, 18. Juli 1951. Brief eines Oberstaatsanwalts in Greifswald, 18. Juli 1951. Hierin wird die Ankunft des Häftlings Fahlpahl bestätigt und zugleich angeordnet, gegenüber der Mutter seine Anwesenheit zu leugnen. Quelle : BStU

 

 

Aufruf zur Gründungsveranstaltung der KgU am 17. Oktober 1948 in West-Berlin.Aufruf zur Gründungsveranstaltung der KgU am 17. Oktober 1948 in West-Berlin.
Quelle : Gerhard Finn

 

 

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