Das Ministerium für Staatssicherheit I

Die „Verwaltung Groß-Berlin“ 1950 – 1976

Nach Räumung der sowjetischen Kommandantur übernahm 1950 die ostdeutsche Geheimpolizei deren Gebäude an der Prenzlauer Allee und richtete ihre „Verwaltung Groß-Berlin“ ein. Im Stadtbezirk Lichtenberg befand sich die Zentrale des im Februar 1950 gegründeten Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), während hier auf dem Gelände die für Berlin zuständige Verwaltung aufgebaut wurde. Orientiert am sowjetischen Vorbild übernahmen SED- Genossen die Führung.

Angesichts der historisch gewachsenen Verflechtungen einer Millionenstadt ließen sich nach der Teilung Berlins 1948 Arbeitswege, Verkehrsmittel und verwandtschaftliche Beziehungen nicht einfach durchtrennen. Von seinen Mitarbeitern erwartete das MfS deshalb besondere Lokalkenntnisse, denn nur so war es möglich, die Stadt zu kontrollieren. Insbesondere der aus Prenzlauer Berg stammende Hans Fruck (1911–1990) brachte diese Vorraussetzungen mit und leitete bis 1956 die „Verwaltung Groß-Berlin“.

Als im November 1957 Erich Mielke (1907–2000) Minister für Staatssicherheit wurde, betraute er seinen Jugendfreund Erich Wichert (1909–1985) mit der Führung der Berliner MfS-Verwaltung. Beide stammten aus dem Weddinger Kiez beidseitig der Osloer Straße, zwischen S-Bahnhof Bornholmer Straße und Prinzenstraße.

In der "Verwaltung Groß-Berlin" begannen viele Karrieren: Bruno Beater (1914–1982) leitete ab 1950 die Abteilung "Untergrund" und wurde 1955 stellvertretender Minister. Auch Wolfgang Schwanitz, Jahrgang 1930, bekannt geworden als kurzzeitiger Chef des Amts für Nationale Sicherheit in der Modrow-Regierung 1989/90, fing hier als Sachbearbeiter an. Er leitete die Spionageabwehr und führte von 1974 bis 1986 die Berliner MfS-Verwaltung.

Das Areal der MfS-Verwaltung Prenzlauer Allee 63-77, 1950er Jahre.Das Areal der MfS-Verwaltung Prenzlauer Allee 63-77, 1950er Jahre.
Quelle : BStU

Die Nutzung der Gebäude

Haus 3

Haus 4

Haus 7 (heute Haus 9)

Haus 8 (Kapelle)

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Porträt Hans Fruck, Anfang 1950er Jahre. Hans Fruck
Quelle : BStU

Hans Fruck war von 1950 bis 1956 Leiter der „Ver­waltung Groß-Berlin“. Danach wechselte er zur DDR-Auslands­spionage und war jahrelang Stell­vertreter von Markus Wolf, Jahrgang 1926.

Porträt Werner Ullrich, 1960er Jahre. Werner Ullrich
Quelle: BStU

Oberstleutnant Werner Ullrich (1929 - 1981) war als Abtei­lungs­leiter zuständig für die Über­wachung des Verkehrs­wesens, wozu auch das Gesamt­berliner S-Bahn-Netz zählte. Er gehörte zur jüngeren Genera­tion von MfS-Mitarbei­tern, die mit der kommunis­tischen Bewegung erst nach 1945 in Berührung kam. Sie beneideten Fruck und Mielke um ihren kompro­miss­losen Kampf, den diese noch geführt hatten. Hingegen prägend für ihre politische Sozialisa­tion waren die Flucht­bewe­gungen in Richtung Westen und die Anschläge auf die DDR-Wirt­schaft in den 1950er Jahren.

Haus 3 in den 1950er Jahren. Haus 3 in den 1950er Jahren.
Quelle : BStU

Im Keller befand sich die Haft­stätte, im Erd­ge­schoss das „Unter­suchungs­organ“, in der ersten Etage die „Spionage­abwehr“ und in der zweiten Etage die Fotostelle.

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