Die Haftstätte des sowjetischen Geheimdienstes
in der Prenzlauer Allee
1945 – 1950
Die Gefangenen des NKWD in Haus 3
Die Organe der sowjetischen Militärjustiz – Sowjetische Militärtribunale (SMT) – fällten ihre Urteile aufgrund der Ermittlungsergebnisse des NKWD, dem das Haus 3 als Untersuchungsgefängnis diente. Verhaftungen auf frischer Tat oder infolge kriminalistischer Ermittlungen waren selten. Das NKWD arbeitete mit Informanten aus der Bevölkerung zusammen. Die Spitzelberichte wurden zu einem Geständnis des Beschuldigten umgeformt, mit dem der Häftling konfrontiert wurde. Die Verhöre dienten der Geständniserpressung und der Gewinnung weiterführender „operativ interessanter Informationen.“ Zeitzeugen berichten von Schlafentzug durch nächtliche Dauerverhöre und von brutalen Schlägen, einige von ihnen wurden in kalte Stehkarzer verbracht. Ihr „Geständnis“ war Grundlage ihrer Verurteilung oder der Einweisung in ein Speziallager auf unbestimmte Zeit.
Von Untersuchungsführer Garulin ausgefüllter Vordruck zur Einweisung in das
Speziallager des NKWD, 5. Juli 1946.
Quelle : Museumsverbund Pankow
Dieses Dokument wurde nach der Vernehmung von Heinz-Joachim Schmidtchen in Haus 3 angefertigt. Oben links befindet sich der Bestätigungsvermerk von Oberstleutnant Kostikow. Der Untersuchungsführer Garulin schrieb in das Feld – "Ermittelt":
"Dass in der Periode des faschistischen Regimes in Deutschland Schmidtchen, Heinz, Mitglied der Hitlerjugend war. Nach der Kapitulation Deutschlands lebte Schmidtchen in der sowjetischen Besatzungszone Berlins, ohne seine Tätigkeit abzubrechen, begann er sich wie ein treuer Hitleranhänger zu zeigen. Ende Februar 1946 trat er freiwillig einer illegalen Organisation bei und leistete provokatorische Arbeit gegen die Kommunistische Partei Deutschlands. Die Leiter dieser Organisation Medenwald, Dieter und andere [das weitere ist unleserlich]."Im Feld "Ich habe festgelegt" stand: "ist auf der Grundlage des Befehls Nr. 00315 vom 18. April 1848 [ebenso!] einzuweisen in ein Speziallager des NKWD". Es folgt der Name "Schmidtchen, Heinz" und die Unterschrift: "Oberleutnant Garulin".


