Die Haftstätte des sowjetischen Geheimdienstes
in der Prenzlauer Allee
1945 – 1950
Das Gefängnis des NKWD in Haus 3
Am 3. Mai 1945 bezog die sowjetische Kommandantur Prenzlauer Berg die wenig beschädigten Bauten des Bezirksamtes an der Prenzlauer Allee. Im Keller von Haus 3 befand sich seit Mai 1945 ein Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes (NKWD).
Die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und Ost-Berlin waren von 1945 bis 1950 mit einem Netz dieser Gefängnisse überzogen. Die Haftstätten sollten den Ermittlungen gegen ehemalige Mitarbeiter der NSDAP, der Gestapo und anderer Verdächtiger dienen. Die Auslegung der betreffenden Vorschriften erfolgte jedoch willkürlich. Die Größe dieses Haftorts und Zeitzeugenberichte lassen auf eine Belegung von rund 150 bis 200 Gefangenen in Haus 3 schließen.
Für Ost-Berlin und die gesamte SBZ war jeweils ein geheimdienstlicher „Sektor“ zuständig, zu dem mehrere „Operativgruppen“ gehörten. Die Haftstätte an der Prenzlauer Allee war zwischen August 1945 und August 1948 der für den Bezirk Prenzlauer Berg zuständigen „Operativgruppe 4 der Stadt Berlin der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland“ zugeordnet. Ihr Leiter war Oberstleutnant Kostikow.
Kostikow war seit 1930 bei der sowjetischen Geheimpolizei OGPU, die 1934 im NKWD aufging. Von Mai 1945 bis August 1948 leitete er die Operativgruppe Nr. 4 in der Prenzlauer Allee, anschließend bis 1950 die Operativgruppe Nr. 3. Bis 1952 blieb er als Berater der Sowjetischen Kontrollkommission in der DDR. Im Jahre 1956 wurde Kostikow pensioniert.
In den 1930er Jahren kam es in der Sowjetunion zu Schauprozessen gegen ehemalige kommunistische Funktionäre und zu Verhaftungen sowie Tötungen breiter Teile der Bevölkerung. Diese Maßnahmen führte die sowjetische Geheimpolizei im Auftrag der Führung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und ihres Generalsekretärs Josef Stalin (1879–1953) durch.

Sowjetische Soldaten verlassen das Haus 8, den Amtssitz des Bezirkskommandanten, Sommer 1945.
Oberstleutnant Alexander Dmitriewitsch Kostikow (1906-1976), 1950er Jahre.