Kalter Krieg
und die Durchsetzung der SED-Herrschaft
in Prenzlauer Berg 1946 – 1949

Die Bezirksverwaltung Prenzlauer Berg unter Leitung der SPD

Wahlpropaganda in der Prenzlauer Allee, 1946.
Quelle : Landesarchiv Berlin

Die ersten Kommunalwahlen nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin ergaben einen Wahlsieg der SPD. In Prenzlauer Berg erhielt sie ca. 45% der Stimmen, die SED etwa 30%. CDU und LDP kamen zusammen auf nur 25%. Im Dezember 1946 trat die Bezirks­verordneten­versammlung (BVV) in Haus 6 zusammen. Die SED musste viele der leitenden Ämter in der Bezirks­verwaltung an die anderen Parteien abgeben. Zur Bürgermeisterin wählte die BVV die SPD-Politikerin Ella Kay.

Bis 1948 kam es im Bezirk wiederholt zu Konflikten um die Besetzung leitender Verwaltungsposten und um den politischen Einfluss auf die Bezirksverwaltung. Auch der Berliner Magistrat stritt im Sommer 1947 mit den Alliierten darüber, ob für die Ernennung oder Entlassung von Funktionsträgern die Zustimmung der Besatzungsmächte notwendig sei. Am häufigsten verweigerte die sowjetische Besatzungsmacht den vom Stadtparlament gewählten Beamten ihre Zustimmung. Der Streit um die Bestätigungspflicht von Ämtern führte schnell zur Blockade der Berliner Verwaltung. So führten die Auseinandersetzungen um die Vereinigung von SPD und KPD und die Blockade der Kommunalpolitik durch die Sowjets schon Ende 1947 zu einer Verschärfung der politischen Situation. Hintergrund dieser Zuspitzung waren die zunehmenden Gegensätze zwischen den ehemaligen Alliierten, die sich nicht auf eine gemeinsame Deutschlandpolitik einigen konnten.

Die SED in Prenzlauer Berg konzentrierte sich darauf, der SPD nachzuweisen, dass sie die Interessen der Bevölkerung vernachlässige. Die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz nutzten SED und SMAD dazu, die verantwortlichen SPD-Funktionäre zu diskreditieren. Im September 1947 ordnete der sowjetische Stadtkommandant Kotikow an, die Bezirksverwaltungen sollten für die Heizperiode im Winter außerhalb Berlins Holz schlagen lassen. Jedoch setzte der Befehl äußerst knappe Fristen. Nach nur einem Monat setzte Kotikow den SPD-Bezirksbürgermeister von Friedrichshain ab, da er die „Holzaktion“ schlecht durchgeführt habe.

Die „Tägliche Rundschau“, Zeitung der SMAD, warf der Bürgermeisterin Ella Kay vor, sie wolle durch Sabotage der Holzversorgung die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Besatzungsmacht schüren. Die SED beschuldigte sie in einem Flugblatt des völligen Versagens. Anfang Dezember enthob der sowjetische Bezirkskommandant Kay ihres Amtes wegen bewusster Sabotage der „Holzaktion“. Diese konzertierte Aktion von SED und SMAD zielte allein darauf ab, SPD-Funktionsträger abzusetzen. Dafür spricht die Tatsache, dass auch eine Erfüllung der Mengenvorgaben beim Holzeinschlag die Heizsituation nicht entscheidend verändert hätte, denn Brennholz diente nur als Ergänzung zum Heizmittel Kohle. Die spät im Jahr veranlasste „Holzaktion“ war eine fast unlösbare Aufgabe, denn es fehlte an Arbeitskräften, Werkzeugen und Lastkraftwagen. Trotz öffentlicher Proteste nahm die Besatzungsmacht die Entlassung Ella Kays nicht zurück.

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Wahlpropaganda vor dem Bezirksamt in der Schönhauser Allee, 1946.
Quelle : Landesarchiv Berlin

 

 

 

 

 

Porträt Ella Kay, 1947.
Quelle : Archiv der sozialen Demokratie / Friedrich-Ebert-Stiftung

 

 

 

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