Die Vereinigung von SPD und KPD
zur Sozialistischen Einheitspartei (SED) 1946
Die Urabstimmung über die Vereinigung in der SPD Prenzlauer Berg
Demonstration gegen die Vereinigung von SPD und KPD,
„Eine Diktatur genügt uns!“, 31.3.1946
Quelle: Archiv der sozialen Demokratie / Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn
Im Gegensatz zum Ostsektor formierte sich in den Westberliner Kreisverbänden
im Frühjahr 1946 ein organisierter Widerstand gegen eine Einheitspartei. Eine Funktionärsversammlung
der Gesamtberliner SPD votierte am 1. März 1946 für eine Urabstimmung der Berliner Mitglieder
über den Zusammenschluss zur SED. Die SPD-Parteiführung in der SBZ
versuchte trotzdem mit allen Mitteln, die Urabstimmung am 31. März zu
verhindern.
Obwohl die SPD in Prenzlauer Berg bereits zwölf Wahllokale eingerichtet hatte, stimmte auf Verlangen
der sowjetischen Bezirkskommandantur der SPD-Kreisvorstand am Vorabend der Urabstimmung noch einmal
über die Durchführung ab. Trotz des außerordentlich großen Drucks
durch SMAD und KPD votierte der Vorstand für eine Urabstimmung.
Die Sowjets verboten die Abstimmung zwar nicht, stellten aber unerwartete
formale Anforderungen. Als die SPD diese Anforderungen nicht
erfüllen konnte, schlossen die Sowjets die bereits geöffneten Wahllokale.
Angesichts des Verbots im Ostsektor hatten die SPD-Funktionäre ein
Wahllokal im Wedding eingerichtet, das somit im Französischen Sektor
lag. Mit gefälschten SPD-Parteiausweisen nahmen KPD-Genossen an
Abstimmung und Stimmenauszählung teil. Dennoch ergab die Auszählung
460 Stimmen, d.h. etwa 80%, gegen eine Vereinigung.
Verhaftung von SPD-Mitgliedern
Mit der Wiederzulassung der SPD setzte ab Juni 1946 in Prenzlauer Berg eine Repressionswelle gegen unliebsame SPD-Mitglieder ein. Schon kurz nach der Vereinigung im Bezirk waren vier Jugendliche wegen Plakatklebens für die SPD als „Provokateure“ von der Polizei verhaftet worden. Sie wurden in das Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in Haus 3 auf dem Bezirksamtsgelände gebracht. Am 21. Juni 1946 verhafteten Personen in Zivilkleidung das SPD-Mitglied Walter Kautz aus der Gryphiusstrasse und brachten ihn in eine Villa nach Treptow, die von NKWD-Soldaten bewacht wurde. Wenige Tage später holte ein russischer Offizier Julius Scherff abends zu einer Besprechung in die sowjetische Kreiskommandantur in Haus 6. Scherff, der zum Organisationsausschuss der Vereinigungsgegner in Berlin gehört hatte und auf dem Bezirksparteitag der Opposition in den Vorstand gewählt worden war, kehrte nicht mehr zurück. Er starb in sowjetischer Haft. Am Morgen des 17. September 1946 verschwand schließlich auch das SPD-Mitglied Walter Sydow, Agitationsobmann der SPD und aktiver Sozialdemokrat im Krankenhaus in der Christburger Strasse. Sydow war im April in die SED gegangen, nach deren Wiederzulassung aber in die SPD zurückgekehrt.

Flugblatt der SPD „Ein Jahr Kampf um Freiheit, Ein Jahr SPD“, 1946.