Die Vereinigung von SPD und KPD
zur Sozialistischen Einheitspartei (SED) 1946

Der Vereinigungsprozess in der SBZ und Berlin

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ließ die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bereits im Juni 1945 die Gründung demokratischer Parteien zu. SPD und KPD einigten sich auf ein gemeinsames Vorgehen, blieben aber selbständig. Beide Parteien hofften, bei demokratischen Wahlen die Mehrheit zu gewinnen.

Im Herbst 1945 war abzusehen, dass der Parteiaufbau für die KPD in ganz Deutschland weniger erfolgreich verlief als für die SPD. Um die Chance auf eine Mehrheit bei Wahlen aufrecht zu erhalten, forderte die KPD nun die Vereinigung von KPD und SPD. Unterstützt durch die SMAD begann eine Kampagne für die SED, bei der die Mehrheit der SPD-Mitglieder in der SBZ ständigem Druck und offener Repression ausgesetzt war. Die Führung der SPD in der SBZ und eine Minderheit in der Partei unterstützten den Vereinigungskurs. Nur in Berlin gelang es den Vereinigungsgegnern im Frühjahr 1946 in den Westsektoren in einer Urabstimmung, die Mehrheit der Westberliner SPD gegen die Vereinigung zu gewinnen. Im Ostsektor Berlins kam es nicht zur Abstimmung. Am 21. April beschloss der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD den Zusammenschluss zur SED. Während die SPD in Westberlin fortbestand, hörte sie im Ostsektor zunächst auf, zu existieren.

Offene Repression gegen Vereinigungsgegner

Während die Einheitsbefürworter in der SPD von KPD und SMAD unterstützt wurden, konnten die Einheitsgegner nicht auf Unterstützung von außen oder aus der SPD in den Westzonen hoffen. Die Fusionsgegner in Prenzlauer Berg schlugen daher eine Verzögerungstaktik ein. Sie erschienen nicht auf Sitzungen der Einheitsausschüsse oder lehnten gemeinsame Versammlungen ab. Demokratische Wahlen, so hofften die Einheitsgegner, würden eine Mehrheit für die SPD bringen. Bei stetig steigendem Druck reifte unter den SPD-Genossen die Einsicht, dass diese Taktik kaum Erfolg versprach. Offener Widerspruch gegen den Fusionskurs schien aufgrund möglicher Repressionen durch die Besatzungsmacht – die in der SBZ schon an der Tagesordnung waren – nicht angeraten. Ein SPD-Funktionär in Prenzlauer Berg fürchtete, man werde ihn – wie andere Vereinigungsgegner – in das Kellergefängnis des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in Haus 3 des Bezirksamts an der Prenzlauer Allee bringen. Ein anderer SPD-Genosse berichtete davon, dass SPD-Mitglieder verhaftet worden seien, die gegen die Vereinigung Stellung genommen hätten. Verhaftungen und Verschleppungen von Personen durch die von der SMAD kontrollierte deutsche Polizei waren an der Tagesordnung.

 

 

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Büro eines Organisationsausschusses von KPD und SPD zur Vereinigung in Prenzlauer Berg, 1946.
Quelle : Bundesarchiv, Berlin

 

Stimmzettel für die Urabstimmung in der SPD-Berlin über die Vereinigung zur SED, 1946
Quelle : Franz-Neumann-Archiv, Berlin

 

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