Das Bezirksamt Prenzlauer Berg
auf dem Gelände des Hospitals 1934 – 1945

Das Gesundheitsamt in Haus 3

Der rassistische und biologistische Charakter der nationalsozialistischen Ideologie spiegelte sich im Bezirksamt Prenzlauer Berg besonders im Gesundheitsamt wider. Mit dem „Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens“, das am 1. April 1935 in Kraft trat, wurde dem Leiter des Gesundheitsamts die Verantwortung für die Umsetzung der„rassischen“ und sozialen Auslesepraktiken des NS-Regimes übertragen.Zu diesen Gesetzen gehörten das „Reichsbürgergesetz“, das Juden die Staatsbürgerschaft aberkannte bzw. deren Einbürgerung verbot, das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und das „Ehegesundheitsgesetz“.

Vom Gesundheitsamt als erbkrank eingestufte Menschen mussten die Zwangssterilisation und während des Krieges die Tötung im Rahmen des „Euthanasie-Programms“ der Nationalsozialisten befürchten. Das Amt unterhielt, wie in den Jahren zuvor, auch weiterhin zahlreiche Beratungsstellen für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder sowie für Haut- und Geschlechtskranke, Alkoholkranke und Geisteskranke. Die soziale Unterstützung Hilfebedürftiger sowie deren Beratung und Fürsorge zählte nun jedoch nicht mehr zu den Hauptaufgaben des Gesundheitsamts.

Die meisten Untersuchungen im Gesundheitsamt wurden, wie dem Zwischenbericht von 1937 zu entnehmen ist, an Kleinkindern vorgenommen. Die Untersuchungen der Schulkinder fanden in den Schulen statt und wurden von den dem Gesundheitsamt unterstellten Schulärzten durchgeführt.

Die Eheberatungen wurden seit 1936 unter Braemers Leitung unter dem Aspekt der „Erb- und Rassenpflege“ durchgeführt. In der Beratung sollte die Fortpflanzung „Minderwertiger“ verhindert werden. Sie waren nur Pflicht für Ehepaare, die ein Ehedarstandslehen beantragen wollten. Außerdem mussten sich die Bewerber für Ländereien im Osten im Rahmen des von der SS betriebenen Siedlungsprogramms auf ihre „rassische Reinheit“ und Fortpflanzungsfähigkeit untersuchen lassen.

 

 

 

 

 

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Porträt Erich Braemer (geb. 1891), 1948.
Quelle : Landesarchiv Berlin

Erster Leiter des Gesund­heits­amts wurde 1934 Erich Braemer. Er hatte Medizin studiert und 1919 in Königsberg promoviert. Zunächst als Kreisarzt in Berlin-Neukölln angestellt, wechselte er zum Gesund­heits­amt Prenzlauer Berg.

Zwischenbericht des Gesundheitsamts Prenzlauer Berg, 1937.
Quelle : Landesarchiv Berlin

 

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