Das Bezirksamt Prenzlauer Berg
auf dem Gelände des Hospitals 1934 – 1945
Die neuen Machthaber
Blick auf Haus 1 (Mitte), den Sitz der Hauptverwaltung und des Bürgermeisters
des Verwaltungsbezirks Prenzlauer Berg, ca. 1936.
Quelle : Museumsverbund Pankow
Ende März 1934 verließ ein Transport mit über 1.300 Patienten, mehreren Ärzten, dem Verwaltungsdirektor und vielen Krankenpflegern das „Hufeland-Hospital“ Prenzlauer Berg in Richtung Krankenanstalten Berlin-Buch. Auf das Gelände zog das 1920 gegründete Bezirksamt Prenzlauer Berg mit der Mehrzahl seiner Dienststellen.
Nach ihrem Machtantritt am 30. Januar 1933 erließen die Nationalsozialisten mehrere Verordnungen, die zur Entfernung politischer Gegner und jüdischer Mitarbeiter aus den Verwaltungen führten. Von den insgesamt 1.611 Mitarbeitern des Bezirksamts Prenzlauer Berg wurden 17 Beamte in den Ruhestand versetzt sowie 264 Beamte, Angestellte und Arbeiter entlassen und durch regimefreundliche Mitarbeiter ersetzt.
Durch das „Gesetz über eine vorläufige Verwaltung der Hauptstadt Berlin“ vom 22. September 1933 wurden die Bezirksparlamente aufgelöst. Der Bezirksbürgermeister wurde der „Führer“ des Bezirksamts. Noch vor dem Bezug der Häuser auf dem Gelände an der Prenzlauer Allee / Ecke Fröbelstraße wurden die Nationalsozialisten Karl Bombach (geb. 1891) zum Bürgermeister und Dr. Max Spieß (geb. 1893) zu seinem Stellvertreter ernannt.
1934 bezog das Wohlfahrts- und Jugendamt Räume in den Häusern 2 und 6. Es war am 1. Januar 1933 aus dem Wohlfahrtsamt, dem Jugendamt und der Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge zu einem Dezernat zusammengefasst worden, zu dem auch die Abteilung Familienfürsorge zählte. Es war von allen Verwaltungsämtern das Größte, bezogen auf die Zahl der Mitarbeiter.
Die Abteilung für Jugendwohlfahrt veränderte ihre Tätigkeit nach 1933 deutlich. Hatte sich die Arbeit in der Weimarer Republik unter dem SPD-Reformpolitiker Walter Friedländer insbesondere auf die Förderung der sozial benachteiligten Jugendlichen des Arbeiterbezirks konzentriert, stand nun die Indoktrinierung der Jugend und deren Eingliederung in die „Volksgemeinschaft“ im Vordergrund.


Passfoto Robert Mundt (geb. 1891), besoldeter Bezirksstadtrat und seit 1935 Hauptdezernent des Wohlfahrts- und Jugendamts, 1939.