Das „Friedrich-Wilhelm-Hospital Fröbelstraße“ /
„Hufeland-Hospital“ in Prenzlauer Berg 1889 – 1934
Leben und Sterben in der Anstalt
Die Anstalt gewährte ihren Bewohnern das Lebensnotwendige und bestattete sie, wenn erforderlich, auf Kosten der Stadt mit einem Armenbegräbnis. Dafür waren die Bewohner der Hausordnung unterworfen und „nach ihren Kräften zur Ausführung leichterer Arbeit verpflichtet“. Bei dem schlechten Gesundheitszustand der Bewohner reduzierte sich diese auf gelegentliche Unterstützung bei der Pflege, auf Hilfe beim Waschen und Füttern der bettlägerigen Mitbewohner. Es gab feste Besuchszeiten: bis 1910 täglich am Nachmittag, später nur noch am Mittwoch und am Wochenende. Bezogen die Anstaltsbewohner Rente, wurde ihnen ein kleines Taschengeld gewährt. Gelegentlich erhielten die Bewohner aus Spenden an die Anstalt Sonderzuwendungen in Form von Essensrationen oder kleinen Geldbeträgen. Sofern die Bewohner dazu in der Lage waren, konnten sie die Bibliothek nutzen, die Grünanlagen der Anstalt genießen und den gelegentlich im Betsaal des Verwaltungsgebäudes stattfindenden Kulturveranstaltungen beiwohnen, wo auch die Gottesdienste stattfanden. Als das Hufeland-Hospital im März 1934 mit seinen 1.328 Patienten nach Berlin-Buch verlegt wurde, war ein großer Teil der Patienten bettlägerig. 707 von ihnen mussten liegend transportiert werden.
Blick auf die Leichenhalle, links das Pflegehaus für Ehepaare,
rechts das Siechenhaus, ca. 1930.
Quelle : Museumsverbund Pankow
Der Tod gehörte zum Alltag. Die Leichenhalle, in der die Toten aufbewahrt und später zum großen Teil obduziert wurden, war ständig belegt. Bereits in den ersten Monaten nach Eröffnung der Anstalt verstarben von den rund 500 Bewohnern 129. Von März 1904 bis März 1905 starben 564 der 1.330 Bewohner. Daß „reiche Gelegenheit zu pathologisch-anatomischer und spezialärztlicher Ausbildung […] geboten“ wurde klingt zwar zynisch, erhöhte jedoch die Attraktivität der zu besetzenden Arztstellen. Die hohe Sterblichkeitsrate resultierte aus der Altersstruktur der Bewohner, ihrer generell labilen körperlichen Verfassung und dem nach Eröffnung des zweiten Siechenhauses stetig wachsenden Anteil Schwerkranker. In den Wintermonaten war Influenza häufige Todesursache, insbesondere wenn Komplikationen wie Herzmuskelschwäche oder Lungenentzündung auftraten.

