Das „Friedrich-Wilhelm-Hospital Fröbelstraße“ /
„Hufeland-Hospital“ in Prenzlauer Berg 1889 – 1934
Von der Bewahranstalt zur Pflegeanstalt
Das Hospital und Siechenhaus diente neben seiner eigentlichen Bestimmung als dauerhaftem Heim einem weiteren, für Hospitäler in Berlin einzigartigen Zweck: Vorübergehende Aufnahme fanden auch Patienten, die pflegebedürftig aus Krankenhäusern entlassen worden waren, aber keine Wohnung hatten. Sie wurden in einem „Depot“ versorgt, bis Ärzte ihren Gesundheitszustand beurteilten. Je nach Diagnose wurden sie entweder endgültig aufgenommen oder Verwandten zur Pflege übergeben.
Rudolf Wilcke war der erste Verwaltungsdirektor und ein Kuratorium hatte die Oberaufsicht. Grundsatzentscheidungen zur Personalpolitik und der Genehmigung zusätzlicher Bauten oblagen der Stadtverordnetenversammlung.
Der medizinische Standart war in den ersten Jahren sehr schlecht. Erst die Einstellung von Assistenzärzten und das Engagement des neuen leitenden Arztes Dr. Wilhelm Graeffner verbesserte die pflegerische und ärztliche Versorgung. So entwickelte sich das Hospital von einer reinen „Bewahranstalt“ zu einer Pflegeanstalt, in der der Gesundheitszustand der Patienten nicht nur erhalten, sondern sogar verbessert werden konnte. Die Anstalt war seit 1919 in Innere- und Nervenabteilung unterteilt und wurde 1927 in „Hufeland-Hospital“ umbenannt.
Ärztliche Versorgung bis 1918
Anfangs betreute der Arzt Dr. Simon Moses „im Nebenamt“ allein die 750 als „Insassen“ bezeichneten Patienten. Auch die Einstellung eines Assistenzarztes 1898 brachte keine Verbesserung, da kurz zuvor die Belegungszahlen durch das neu errichtete Siechenhaus auf knapp 1.200 gestiegen waren. Die leichteren Fälle wurden meist in andere städtische Hospitäler bzw. kostengünstige Außenpflege verlegt, so dass die Zahl der Schwerkranken stetig anstieg.
1902 konnten ein zweiter und 1912 ein dritter Assistenzarzt eingestellt werden, die auch in der Anstalt wohnten. Jedoch erst der neue leitende Arzt Dr. Wilhelm Graeffner, der 1903 Dr. Moses ablöste, führte einen Wandel herbei. Graeffner interessierte sich als Facharzt für Hals-, Nasen- und innere Krankheiten sehr für die moderne medizinische Forschung und setzte sich dafür ein, dass „allen Neuerungen auf medikamentösem Gebiete, welche einen Fortschritt anzukündigen scheinen, […] sorgfältige Prüfung zugewendet“ wurde. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit führte Graeffner zur Schulung der Pflegekräfte, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts keinerlei Ausbildung vorweisen mussten, einen „Instructionskurs“ durch. Er amtierte bis zu seinem Tod 1918.

Porträt Paul Schuster (geb. 1867), 1903.